Schwicki-Theater 2006
Der doppelte Moritz
Impekoven/Mathern
Inhalt:
Der Großindustrielle Moritz Krause muss zu einem geheimen Geschäftsabschluss für zwei Tage nach London. Damit seine Abwesenheit unbemerkt bleibt, soll ihn sein eben aus Amerika gekommener Zwillingsbruder Max, den keiner kennt, vertreten.
Max bringt nun, verständlicherweise, ganz schön Durcheinander in die Familie. Die Tochter, die einem anderen zugedacht war, verlobt er mit dem Sekretär, der sie liebt. Einem anderen spannt er die Freundin aus, dem Sanitätsrat die Frau. Den Sekretär bringt er zur Verzweiflung, das ganze Haus stellt er auf den Kopf. Gerade als die Frau sich scheiden lassen will, kommt Moritz zurück .....
Personen und Darsteller:
Moritz Krause, Großindustrieller Ottmar Sahl
Irene, seine Frau Kerstin Hafeneger
Margot, seine Tochter Carola Voigtländer
Dr. Hans Hellwig, sein Sekretär Jürgen Quaas
Max Krause, sein Bruder Ottmar Sahl
Mathilde, dessen Frau Katja Müller
Felix Papenstiel Rainer Simon
Lili Leiser Ulrike Richter
Dr. Ruppel, Sanitätsrat Stefan Sahl
Sibille, Köchin bei Krause Beate Sturm
Otto, Diener bei Krause Mischa Pötters
Wulle, Kriminalbeamter Klaus Kremer
Souffleuse: Karin Müller
Regie: Mischa Pötters
Pressemeldungen:
Quirlig-turbulente Schwickis - Printausgabe vom 13.11.2006
Bad Camberg-Schwickershausen.
Man nehme einen Großindustriellen in Finanznöten, gebe einen bis dato unbekannten Zwillingsbruder, eine feurige Geliebte und eine geheime Transaktion hinzu, mische das Ganze mit einer Reihe Unbeteiligter, die im Laufe des Abends zu Komplizen, Gegenspielern oder ganz eigensinnigen Mitspielern werden, und fertig ist ein spritziger Cocktail, den die Darsteller des Schwicki-Theaters am Samstag- und Sonntagabend gleich zwei Mal dem amüsierten Publikum im Gemeinschaftshaus servierten. Um es vorweg zu nehmen: Mit der Komödie „Der doppelte Moritz“ (Impekoven/Mathern), die die Schwickis nach zweijähriger Abstinenz für ihr Herbsttheater ausgesucht hatten, trafen die Amateurschauspieler genau ins Schwarze, und die Lachmuskeln der Zuschauer wurden ständig strapaziert.
Da wäre der gestresste Großindustrielle - in der Rolle von Max und Moritz, mit Nachnamen Krause, den Ottmar Sahl herrlich hektisch gab. Er hielt die ganze Familie auf Trab und durfte doch nicht aufgeregt werden - da er kränkelte. Die einzige, die ihm die richtige Antwort gab: Lili. „Dann reg Dich halt nicht auf“, konterte die selbstbewusste Geliebte, die alle Männer im Griff hatte. Das brachte Ulrike Richter in hautenger Kluft, Super-Mini, Lederstiefeln und natürlich französischem Akzent treffend rüber - immer kokett und jederzeit Improvisationsbereit. Improvisieren: Das musste auch Krauses „Sekretär Dr. Hellwig“. Jürgen Quaas vollbrachte das Meisterstück, alle zufrieden zu stellen und am Schluss noch die süße Tochter des Hauses (goldig: Carola Voigtländer) in die Arme schließen - und behalten zu dürfen. Kerstin Hafeneger bewies in der Rolle der Gattin Krause Konsequenz und weibliche Weitsicht. Herrlich ihre bösen Blicke, mit denen sie ihren garstigen Moritz (oder doch den Max ?) immer wieder strafte. Gegenpart: Katja Müller in der Rolle von „Frau Max Krause“, die zwischendurch auftauchte, verzweifelt ihren Mann suchte und den Kriminalbeamten Wulle (Klaus Kremer) auf den Plan rief, um ein vermeintliches Verbrechen aufzudecken. Natürlich gab es viel Bühnen-Durcheinander, an dem auch Rainer Simon in der Rolle des ungeliebten Fast-Schwiegersohns mitwirkte. Sein freudestrahlendes, „der Felix ist da !“, war bei jedem Auftritt für einen Lacher gut, und seine Kleiderauswahl ohnehin unbeschreiblich.
Bleiben die vermeintlich „kleinen Rollen“. Hier bewiesen die Darsteller, dass die so klein nicht sind, wenn sie mit dem nötigen Esprit gespielt werden. „Dr. Ruppel“ Stefan Sahl war der liebenswerteste, tollpatschigste, rotnasigste und dickbäuchigste Hausarzt, den man sich vorstellen kann, und dabei eine Seele von Mensch - einfach gut ! Dann der Butler. Mischa Pötters, gleichzeitig Regisseur der munteren Truppe, bewahrte stets Haltung, geriet auch in den brenzligsten Situationen nie aus der Fassung, wirkte dabei geradezu britisch. Sein Gegenpart: Beate Sturm. Die Haushälterin durfte schon das ein oder andere Donnerwetter herablassen, und natürlich traf es immer die Männer, denn die stifteten ja das meiste Durcheinander. Und als die Krauses kurz vor der Scheidung standen, alle Möbel teilten und sie dem Hausherrn den Teppich unter den Füßen wegzog und auf eine unglaubliche Weise zusammenrollte, da blieb wirklich kein Auge trocken. So müssen Nebenrollen besetzt sein !
Insgesamt bescherte das Schwicki-Theater seinen Gästen eine wunderbare Premiere und einen „Nachschlag“ am Sonntagabend. Schade, dass es nun wieder ein Jahr dauern wird, bis sie wieder „dran“ sind, aber das haben sie versprochen: ein Wiedersehen im nächsten Jahr - aber unbedingt !

