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              Schwicki-Theater 2004

        Ein großer Tag für Schlindelbach
                          
D. Salzbrunn

Inhalt:

Das Dorf Schlindelbach und sein eingebildeter Bürgermeister Schräger sind stolz auf ihre neu erbaute Mehrzweckhalle. Der Neubau soll in einem festlichen Rahmen eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden. Bürgermeister Schräger hat keine Mühen und noch weniger Kosten gescheut, um mit seinem Festprogramm im ganzen Kreis Bewunderung und Neid zu ernten.
Landrat Trötenschloss soll eine Rede halten. Der Bischof wird zur Weihe und Segnung erwartet. Die berühmten Tenöre Javarek und Dovwibrodsky sollen ein musikalisches Highlight setzen, ebenso die bekannte Konzertflötistin Pipperling. Man erwartet Grußworte der amtierenden Weinkönigin des Landes und einen Beitrag des hoch gelobten Mundartdichters J.F. Schmatz. Ein Magier soll die Festgesellschaft verzaubern und der Architekt des neuen Gebäudes eine "Laudatio" halten. Aber alles kommt ganz anders. Kurz vor dem "großen Tag" sagen der Reihe nach alle erwarteten Star- und Ehrengäste ab. Ersatz muss her. Aber wie? Es bleibt, will man das ganze Fest nicht abblasen, nur die Möglichkeit, die Lücken aus den eigenen Reihen zu füllen. Zwei Gemeinderäte sollen singen, die Kindergärtnerin flöten und der Gemeindearchivar ein Gedicht zum besten geben.
Aber die größte Katastrophe steht noch bevor. Aufgrund eines Konstruktionsfehlers stürzt auch noch das Hallendach vor der Einweihung ein. Nun hat man also ein mühevoll zusammengezimmertes Programm, aber der Festanlass ist im Eimer. Kein Grund für den Bürgermeister, das ganze Unternehmen abzusagen. Dann wird eben die frisch restaurierte Friedhofsmauer mit großem Pomp eingeweiht !
Der große Tag muss, schon um sich nicht vor den Nachbargemeinden zu blamieren, durchgezogen werden. Markigen Worten und großen Versprechen folgt somit eine Menge heißer Luft. Aber auch diese wird noch als einzigartige Großtat verkauft. Ähnlichkeiten mit der "großen Politik" sind nicht ganz zufällig...


Personen und Darsteller:

Heinz Schräger - Bürgermeister                                           JürgenQuaas
Frau Holler, gen. Flocke, seine Sekretärin                             Ulrike Richter
Hubert Huddelich, Gemeindearchivar                                   Stefan Sahl
Greta Brutzler, Gemeinderätin und Oppositionsführerin          Katja Müller
Ewald Zweiwald, zweiter Bürgermeister                                Herbert Kaltwasser
Norbert Feinripp, Gemeinderat                                            Mischa Pötters
Berthold Schiesser, Gemeinderat                                          Rainer Simon
Vera Höschen, Gemeinderätin und Kindergärtnerin                Carola Voigtländer
Walter Wagenwasser, Maurermeister                                    Ottmar Sahl
Werner Obst, Pfarrer                                                          Ingo Messinger
Lioba Schräger, Mutter des Bürgermeisters                            Maria Seck

Souffleuse:                                                                        Karin Müller

Regie:                                                                               Kerstin Hafeneger

Pressemeldungen:

Ein ganz großer Tag für Schlindelbach
von Andrea Dawirs-Dorn
Bad Camberg-Schwickershausen.

Am Samstag- und Sonntagabend war nicht nur «Ein großer Tag für Schlindelbach», sondern auch einer für Schwickershausen. Das «Schwicki-Theater» hat bei der Premiere der gleichnamigen Komödie in zwei Akten von Dirk Salzbrunn auf der Bühne des Gemeindezentrums wieder einmal seine große Klasse bewiesen, es stimmte einfach alles: die Besetzung, das Bühnenbild (ein bis zur spießigen Grünlilie perfekt eingerichtetes Büro), der Ton, die Einsätze, die Pointen. Das humorvolle Stück schien den Akteuren auf den Leib geschrieben, so leicht nahm man jedem Einzelnen die Rolle ab, besonders Jürgen Quaas brillierte textsicher und locker als redegewandter, chauvinistischer Bürgermeister Heinz Schräger, der mit Zuckerbrot (Remy Martin) und Peitsche seine «Untertanen» in Schach hielt.

Zum Stück: «Ein großer Tag für Schlindelbach», die neue Mehrzweckhalle soll eingeweiht werden. Dafür hat Bürgermeister Schräger ein Programm der Extraklasse zusammengestellt, finanziert aus mehreren schwarzen Kassen, versteht sich. Das Festprogramm sieht neben seiner eigenen Wenigkeit Grußworte des Landrats und der Weinkönigin, Weihe und Segnung durch den Bischof, Musik mit der Flötistin Anna Pipperling und einige Opernarien von Javarek und Dovwibrodsky vor. Ein Mundartdichter soll lesen und der Zauberer darf natürlich auch nicht fehlen, bevor der Schlüssel übergeben und beim Brillantfeuerwerk das Büfett eröffnet werden soll.

War alles perfekt geplant, bis einer nach dem anderen absagt: Der Landrat ist ans Bett gefesselt, dem Mundartdichter sind die Kontaktlinsen in die Suppe gefallen, die Weinkönigin wurde nach öffentlichen Nacktfotos sofort entthront, die Flötistin hat sich beim Ferkelküssen einen Herpes geholt, der Zauberer sich verletzt, der Opernsänger ist mit der Haushälterin durchgebrannt, der Bischof muss nach einem Fauxpas zu Hause bleiben und zu guter Letzt bricht Dank eines Konstruktionsfehlers auch noch das Dach der neuen Mehrzweckhalle zusammen, das duftet nach Schwierigkeiten.

Nicht in Schlindelbach: Sekretärin Flöckchen (Ulrike Richter), Verzeihung natürlich Bürgermeister Schräger, hat die rettende Idee: Dann wird eben die neue Friedhofsmauer eingeweiht, und für das Festprogramm muss der eigene Stab herhalten ! Greta Brutzler (herrlich emanzipiert Katja Müller) die ansonsten als «quasi Einzelkämpferin» die Fahne der Opposition hoch hält, muss zaubern. Gemeindearchivar Hubert Huddelich, der «Robin Hood des Hauses» mutiert Dank eines kreativen Luftzuges zum Mundartdichter (dunkel dunkel, schwarz schwarz, sein Gedicht wird unvergessen bleiben: Stefan Sahl) und Vera Höschen (echt öko Carola Voigtländer), Gemeinderätin und Kindergärtnerin hat schon so vielen Kindern die Flötentöne beigebracht, dass ihr das in «ergreifender Schlichtheit» gespielte Hänschen Klein locker von der Hand geht. Maurermeister Walter Wagenwasser (so was von trocken: Ottmar Sahl) wird kurzerhand zum Maurer-Architekt befördert und hat dann doch einiges über das Bauwerk zu sagen (uffgebaut, gemauert un gemolt. Material? 280 Backsteine und 4 Kasten Kaiserpils. . ), den Trinkspruch wollen wir an dieser Stelle nicht wiederholen.

Die Gemeinderäte Berthold Schiesser (Rainer Simon) und sein Erzrivale um die Gunst der schönen Sekretärin, der galante Norbert Feinripp (Mischa Pötters) begeistern das Publikum mit «Ein Freund, ein echter Freund», und der zweite Bürgermeister Ewald Zweiwald (Herbert Kaltwasser) übernimmt die Pressearbeit, dann wird wenigstens was anständiges geschrieben.

Einzig Pfarrer Obst (Ingo Messinger) darf nicht mitmachen, er war zu oft im Archiv und ist daher ständig besoffen. Läuft alles ganz gut, nur Mama Schräger (herrlich: Maria Seck) funkt öfter dazwischen, sie muss doch ihrem «Heinzibubi» was zum essen bringen («der Tisch am Büfett hat aber vorher schon gewackelt. . .»).

Von Anfang bis Ende ein wirklich kurzweiliger, perfekt vorgetragener Spaß. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich undenkbar: Wer könnte sich schon einen Bürgermeister vorstellen, der die einzige emanzipierte weibliche Person im Parlament mit Granatsplittern bewirft?