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              Schwicki-Theater 2003

                Einmal Bali und zurück
                                      Bernd Spehling
                     

Inhalt:

Wie wärs, hätten Sie nicht Lust, auf einem Kreuzfahrtschiff in spannender, ja sogar abenteuerlicher Atmosphäre den Hauch der großen weiten Welt zu erleben ? Für Ludwig von Ballheimer, Kapitän der 'M.S. Luxor', ist dies Routine, auch wenn es bei seiner Vorliebe für hübsche Frauen und Champagner nicht gerade danach aussieht, denn in Wahrheit führt der einzig zuverlässige 1. Offizier Gerd Staumoser die Geschicke der Seefahrt an Bord.
In froher Erwartung der - aus Sicht des Personals längst überfälligen - Frühpensionierung des von Ballheimer begibt man sich also auf eine letzte große Fahrt nach Bali. - Und zurück ! Doch als sich der werte Herr Kapitän in einem der Rettungsbote wieder mal mit einem weiblichen Passgier vergnügt, werden beide, wegen einer längst überfälligen Rettungsübung auf hoher See, kurzerhand zu Wasser gelassen. Infolge einer - wie sollte es anders sein - unglücklichen Verkettung ebenso unglücklicher Umstände fehlt natürlich beim Einholen der Boote das Boot mit dem bis dahin noch recht vergnügten Kapitän und seiner Begleiterin.
Eine Panik an Bord eines ohne Kapitän geführten Kreuzfahrtschiffes muss natürlich unter allen Umständen vermieden werden. So fällt dem 1. Offizier des Schiffes nichts Geistreicheres ein, als ausgerechnet Sigi, einen Landstreicher, der die Reise inklusive 1.000 Euro Taschengeld bei einer Tombola gewonnen hat, den Passagieren als Kapitän unterzujubeln. Doch die Turbulenzen beginnen erst jetzt so richtig, denn Sigi, der inmitten der feinen Gesellschaft anfangs allenfalls geduldet war, genießt nun sichtlich das Ansehen, vor allem aber die beachtliche Wirkung einer Kapitänsuniform und lässt natürlich das Publikum an diesem lustigen Genuss kräftig teilhaben.
Doch wird das Schiff seinen Hafen erreichen ? Wird der echte Kapitän mit seiner charmanten Begleitung und seinem Rettungsboot überhaupt jemals irgendetwas erreichen und was treibt Sigi so alles mit der ihm ausgelieferten Besatzung ?

Personen und Darsteller:

Roger Schönfelder - Barkeeper an Bord                                  Ottmar Sahl
Edelgard Müller - etwas schwerhörige Mitreisende                   Ulrike Richter
Gernot Hübner - Passagier                                                    Rainer Simon
Sabine Hübner - seine Frau                                                   Gabi Kaltwasser
Siegfried Engel, gen. Sigi - Landstreicher                                Mischa Pötters
Trude Gerolfsen - Mitreisende                                                Beate Sturm
Mechthild Wachberg - Mitreisende                                          Kerstin Hafeneger
Gerd Staumoser - 1. Offizier an Bord                                      Horst Thuy
Frau Dr. Ilse Zapf - Schiffsärztin                                             Carola Voigtländer
Kapitän Ludwig von Ballheimer                                              Klaus Kremer


Souffleuse:                                                                          Karin Müller
Regie:                                                                                 Herbert Kaltwasser

Pressemeldungen:

Wer ist der schönste Käpt'n?

Bad Camberg-Schwickershausen. Von Petra Hackert
In einem wunderschönen Asterix-Comic schwebt über dem Haupt eines gewissen Geheimagenten ständig ein ganz bestimmtes Damokles-Schwert. Einer schwer verliebten Fliege hat es "Agent Nullnullsix" so angetan, dass sie ihn in jedweder Verkleidung erkennt und durch ihre Anwesenheit zu enttarnen droht. In Bernd Spehlings Komödie "Einmal Bali und zurück" ist das nicht ganz so einfach. Wie können Passagiere und Crew sicher sein, dass ihr Käpt'n auch der Käpt'n ist, wenn es plötzlich zwei davon gibt ? Und wie könnten sie wissen, dass im Grunde genommen keiner von beiden die "MS Luxor" sicher nach Bali steuert, sondern dass dies von Anfang an dem ständig nervöser werdenden 1. Offizier überlassen ist ? Das Schwicki-Theater weihte das Publikum in die Irrungen und Wirrungen ein. Sie waren nicht unvorhersehbar, aber umso amüsanter, je mehr die Darsteller unter der Regie von Herbert Kaltwasser aufdrehten.

Zunächst der Kegelclub "Einer steht immer": Drei muntere Damen zeigen sich seefahrts-, aber nicht sekterprobt, immer in bester Erlebnislaune und treffsicher, was die Wahl ihres Käpt'ns angeht, der mit der schönsten Mütze, der sich am kräftigsten in die Brust wirft muss es sein. Klar, dass Mischa Pötters mit seinem Berliner Dialekt das Rennen macht. Ulrike Richter, Beate Sturm und Kerstin Hafeneger sind als "Groupies" so hinreißend, dass man sich sofort in Gedanken an Bord des Luxusliners versetzen könnte.

Doch auch "Käpt'n II", der eigentlich "Käpt'n I" ist, aber schon kurz nach Start der Reise aus Versehen über Bord geht (in einem Rettungsboot, gemeinsam mit einem weiblichen Passagier, einer Kiste Erdbeeren, Knabbergebäck und Sekt) hat einiges für sich: Graue Schläfen, sicheres Auftreten und Hamburger Dialekt, könnte sich dahinter die richtige Führungspersönlichkeit verbergen ? Nur Offizier Horst Thuy und der zunehmend genervte Baarkeeper (klasse: Ottmar Sahl) wissen, dass letzterer (dargestellt von Klaus Kremer) zwar echt ist, aber ein Alkoholproblem hat.

Und auch nur sie können darüber schweigen, dass Nummer zwo ja eigentlich nur ein kleiner Tippelbruder ist, der das große Los gezogen, die Reise gewonnen hat und nur aus Gutmütigkeit, um Panik zu vermeiden, in die Kapitänskluft geschlüpft ist. Glück hatten auch die Gäste im prall gefüllten Schwickershäuser Gemeinschaftshaus, die gestern und vorgestern Abend aus dem Lachen nicht mehr herauskamen. Ein bisschen Schadenfreude war schon dabei, als die einmal über Bord gegangene Gabi Kaltwasser "ihrem Gatten" Rainer Simon so richtig einschenkte - im breitesten Kölschen Dialekt - und sich dann auch noch mit der Schiffsärztin Carola Voigtländer solidarisierte, die doch Simons Verhältnis hätte werden sollen. So sind nun einmal die Frauen. . . Und süß war es jedesmal, wenn Barkeeper Ottmar Sahl die Koffer packte und versuchte, sich von Bord zu retten, natürlich immer vergeblich. Fluchtversuche gab es im Schwickershäuser Gemeinschaftshaus nicht. Wohl aber heftigen Applaus am Schluss und das Bewusstsein: Eigentlich, war alles viel zu schnell vorbei. Ein richtig schöner Abend !