Schwicki-Theater 2002
Einer spinnt immer
Wilfried Reinher
Inhalt:
Otto Ofenloch möchte eine Irrenanstalt kennenlernen. Sein Neffe schwindelt ihm vor, die Pension Ballermann
sei eine private Heilanstalt. Es ist zum Brüllen, was Otto Ofenloch alles mit den harmlosen Gästen erlebt, die er
alle für Irre hält. Im Glauben, die Irren seien alle gut verwahrt, heiratet er sogar die Pensionsbesitzerin.
Aber erstens kommt es anders und zweitens ....
Personen und Darsteller:
Lieselotte Ballermann - Pensionsbesitzerin Gabi Kaltwasser
Sieglinde - ihre Nichte Ulrike Richter
Ladislaus Locke - ihr Neffe Horst Thuy
Otto Ofenloch - wohlhabender Privatier Herbert Kaltwasser
Florence Wipperling - mannstolle Hausbesitzerin Beate Sturm
Detlef Wipperling - ihr Bruder Jürgen Quaas
Julius Ludwig - Weltreisender Thomas Weber
Egon von Schönborn - Major Ottmar Sahl
Christine Frank - Schriftstellerin Carola Voigtländer
Ria Baleno - Gast Katja Müller
Ottfried Ofenloch - Neffe von Otto Ofenloch Rainer Simon
Souffleuse: Karin Müller
Regie: Ulrike Richter
Pressemeldungen:
Zweimal volles Haus:
Das Schwicki-Theater tauschte langweilige Realität gegen herzerfrischende
Dummheiten. Wenn alle spinnen, ist doch alles in Ordnung!
Bad Camberg-Schwickershausen / von Petra Hackert
"Niebe Tante Siegninde, habe ich Tanent ?" Jeder sagt, er habe "Tanent". Nur Tante Sieglinde nicht. Glaubt sie doch tatsächlich, so ein klitzekleiner Sprachfehler könnte negative Auswirkungen auf eine Schauspielerkarriere haben. Nadisnaus Nocke sieht das ganz anders. Und rezitiert: Aus "Romeo und Junia", "King Near", die wichtigsten Sätze fallen ihm ein, die fürchterlichsten Drohungen: "Und bist Du nicht winnig, so brauch ich Gewand !" Einfach erschütternd ! Besonders, da er doch für sein Neben gern Schauspiener werde möchte.
Für ihr "Neben" gern spielen auch die Darsteller des Schwicki-Theaters, die nun mit ihrer elften Komödie das Publikum im prall gefüllten Gemeinschaftshaus zum Lachen brachten. Viele Kinder in den ersten Reihen, viele Verwandte, Bekannte und Freunde auf den Plätzen, das war das Markenzeichen der beiden Aufführungen am Samstag und am Sonntag. Außerdem: Die Truppe bewies eine glückliche Hand bei der Auswahl des Stoffes. "Einer spinnt immer !", so der Titel der Komödie unter Regie von Ulrike Richter, ließ genug Spielraum, um die skurrilsten Typen und aufgedonnertsten Ladys auf die Bretter zu bringen, die für manche die Welt bedeuten.
Da ist nicht nur "Schauspiener Nocke". Horst Thuy betonte so schön, spielte so missverstanden und verzweifelt, dass er sich im Handumdrehen die Gunst des Publikums eroberte. Das Gegenteil: Knallhart könnte Major Egon von Schönborn sein, wenn nicht Ottmar Sahl dieser schrulligen Figur auch durchaus liebenswerte Züge verliehen hätte. Nimmt man noch die überdrehte Schriftstellerin (temperamentvoll: Carola Voigtländer), die (möglicherweise) männermordende Ria Baleno (durchtrieben: Katja Müller), die mannstolle Hausbesitzerin Florence (mit Ganzkörpereinsatz: Beate Sturm), deren Bruder Detlef (wie aus einem Ralf-König-Comic entsprungen: Jürgen Quaas) sowie den Weltreisenden (Indiana-Jones-Verschnitt: Thomas Weber) hinzu, so ist die Mannschaft komplett, welche sich in der Pension Ballermann ein Stelldichein gibt. Alles Gäste oder Freunde. Keine Irren. Das aber soll Otto Ofenloch (nahezu erschreckend harmlos: Herbert Kaltwasser) glauben. Denn für einen Tag in einer echten Irrenanstalt würde er schon so einiges locker machen. Da Pensionsinhaberin "Lieselotte Ballermann" (immer den Überblick bewahrend: Gabi Kaltwasser) ein wenig finanzielle Unterstützung gut gebrauchen könnte, schmieden ihre Nichte und Ofenlochs Neffe das Komplott, welches alle Verwirrungen erst in Gang setzen wird. Ulrike Richter und Rainer Simon sind nämlich die einzigen Normalen in diesem Stück (wenn davon überhaupt die Rede sein kann). Alles andere entwickelt sich, wird immer verrückter, endet erst in dem Moment, in welchem sich Otto Ofenloch und Lieselotte Ballermann verlieben, das Ja-Wort geben, die Pension auflösen (alle Gäste kommen angeblich in eine andere Anstalt) und zufrieden leben bis an ihr Ende. Oder ? Ganz so geht's dann doch nicht, denn der graue Alltag scheint so gar nicht mit dem reizvollen Vorgeschehen im Einklang zu stehen. Das Publikum sehnt schier die ersten "leibhaftigen Irren" herbei, die das Privatleben Otto Ofenlochs stören werden. Ist Beichten angesagt ? Hier wird's noch einmal ein bisschen verwirrend, bis es dann schließlich mehr als nur ein Happy End gibt.
Kurz gefasst: Die Zuschauer erlebten einen wunderschönen, amüsanten, temporeichen Abend. Die Darsteller meisterten bis auf wenige kleine Schwächen ihre Rollen mit Bravour. Souffleuse Karin Müller musste ab und zu eingreifen. Ulrike Richter und Thomas Ludwig, die ihre Rollen kurzfristig übernommen hatten, zeigten trotzdem Text- und Spielsicherheit. Einige Szenen waren mit Gold nicht aufzuwiegen. Bsp.: Jürgen Quaas, ganz in Leder, als "warmer Bruder" trifft auf Herbert Kaltwasser, auch in Leder, nur ganz bayrisch. Kaltwasser wirkte so schön brav und bieder, Quaas konnte den Kontrast par excellence ausspielen. Wie übrigens mehrfach, und man sehnte sich schon nach seinen nächsten näselnd dahingehauchten Sätzen, die Lebensweisheiten für das ganze Publikum parat halten sollten. Fazit: Ein rundum gelungener Abend, von denen es mehr geben sollte.
Schwicki-Theater führte die Komödie "Einer spinnt immer" auf
Schwickershausen (lei).
Begonnen hat es 1991 mit der "Pferdekur", ein Jahr später stand "Blaues Blut und Erbsensuppe" auf dem Programm des Schwicki-Theaters, dem Theater mit Herz in Schwickershausen. In diesem Jahr wurde die Komödie in drei Akten "Einer spinnt immer" aufgeführt. Gleich zweimal wurde die Bühne im ausverkauften Gemeinschaftshaus von den Akteuren in ein "Irrenhaus" verwandelt.
Bevor jedoch die vielen Kinder, die vielen Verwandten und Bekannten sowie zahlreiche Besucher aus den Nachbargemeinden zum herzerfrischenden Lachen gebracht wurden, begrüßte Karin Müller die vielen Zuschauer, besonders Bürgermeister Gerhard Reitz, den Kandidaten für den Landtag, Dr. Manfred Birko und die Ortsvorsteherin Brigitte Rummel.
Die Handlung ist schnell erzählt. Otto Ofenloch (Herbert Kaltwasser), ein wohlhabender Privatier, möchte eine Irrenanstalt kennenlernen. Sein Neffe Ottfried (Rainer Simon) schwindelt ihm vor, die Pension Ballermann, die von Lieselotte Ballermann (Gabi Kaltwasser) und ihrer Nichte Sieglinde (Ulrike Richter) geführt wird, sei eine private Heilanstalt. Es ist zum Brüllen, was Otto Ofenloch mit den harmlosen Gästen, dem Weltreisenden Julius Ludwig (Thomas Weber), der Schriftstellerin Christine Frank (Carola Voigtländer), dem Major Egon von Schönborn (Ottmar Sahl) sowie Ria Baleno (Katja Müller) erlebt, die er alle für Irre hält.
Im Glauben, die Irren seien auch gut verwahrt, heiratet er sogar die Pensionsbesitzerin. Irrungen und Wirrungen gepaart mit herzerfrischenden Dummheiten wechseln sich ab und führen am Ende zu einem Happyend, zumal der Neffe von Lieselotte Ballermann, Ladislaus Locke (Horst Thuy), seinen klitzekleinen Sprachfehler verliert und damit keine negativen Auswirkungen auf seine schauspielerische Karriere hat.
In den weiteren Rollen Beate Sturm als Florence Wipperling und ihr Bruder Detlef gespielt von Jürgen Quaas. Die Regie dieses Stückes lag in den bewährten Händen von Ulrike Richter, als Souffleuse war einmal mehr Karin Müller tätig.

